Interview mit Susanne Mai

„Wegbegleiter und Türöffner“

Ein Interview mit Susanne Mai
Susanne Mai (52) ist von Beruf Sozialpädagogin und arbeitet beim Diakonischen Werk im Gustav-Adolf-Wiener-Haus. Sie stammt aus Siebenbürgen und lebt seit 32 Jahren in Regensburg. Sie ist Mutter zweier erwachsener Kinder.

Ihr schönster Platz in Regensburg?
Es gibt für mich viele schöne Orte in Regensburg. Es hängt von der Jahreszeit und von meiner Stimmung ab, welchen ich gerade als den schönsten erlebe. Der Panoramablick auf die Stadt von den Winzerer Höhen ist überwältigend. Gerne halte ich mich auch in Buchhandlungen auf, um einer meiner Lieblingsbeschäftigungen nachzugehen: zu schmökern, zu lesen.

Was heißt für Sie evangelisch in Regensburg zu sein?
Evangelisch in Regensburg heißt für mich Offenheit, Aufgeschlossenheit, Engagement und vielfältige Angebote von Kirche und Diakonie für Menschen in dieser Stadt unabhängig von deren Alter, Geschlecht, Konfession, Nationalität, Hautfarbe.

Worauf freuen Sie sich?
Ich freue mich auf vielfältige Begegnungen und den fruchtbaren Austausch mit unterschiedlichen Menschen.

Was ist Ihre genaue Aufgabe im Diakonischen Werk?
Im Rahmen meines Arbeitsfeldes KASA (Kirchliche Allgemeine Sozialarbeit) bin ich Ansprechpartnerin für Menschen in schwierigen Lebenssituationen, die sich Hilfe suchend an die Diakonie wenden. Wir versuchen in der Beratung gemeinsam Lösungen zu finden und Menschen zu ihrem Recht zu verhelfen. Gegebenenfalls wird an andere Fachdienste weiter vermittelt. Dazu ist es notwendig vernetzt mit Fachdiensten und sozialen Einrichtungen zu arbeiten. Darüber hinaus ist uns die Zusammenarbeit mit den Kirchengemeinden, die gegenseitige Wahrnehmung und Ergänzung ein wichtiges Anliegen, ist doch die KASA Sozialarbeit im Auftrag der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern.

Insofern sind Sie eine Art Feuerwehr, wenn „es brennt“. Wie kann aber verhindert werden, dass die Leute überhaupt zu Ihnen kommen müssen?
Die KASA ist eine "Clearingstelle" und wir bemühen uns, eine Atmosphäre des Angenommenseins und des Vertrauens zu schaffen, wo Menschen, das, was sie auf dem Herzen haben, aussprechen können. Wir versuchen, gemeinsam mit den Hilfe suchenden Lösungen zu finden und sehen uns als Wegbegleiter und Türöffner in schwierigen Lebenssituationen. Es dürfte nicht passieren, dass die Schere zwischen Arm und Reich weiter so auseinander geht. Eine bedachte, verantwortungsvolle Sozialpolitik müsste dafür sorgen, dass Menschen gar nicht in solche gravierenden Notsituationen kommen. Doch wie wir wissen, wird es immer Menschen in Nöten geben. Dafür braucht unsere Gesellschaft niederschwellige Anlaufstellen, wie z.B. die KASA.

Was sind Ihrer Meinung nach die vordringlichsten sozialen Probleme in Regensburg?
Regensburg ist sowohl aufgrund seiner Architektur, seiner Lage als auch seiner wirtschaftlichen Prosperität ein attraktiver Wohnort für viele Menschen. Es ist daher dringend notwendig, dass es in der Stadt ausreichend bezahlbaren Wohnraum gibt. Trotz vielfältiger bestehender Beratungs- und Hilfsangebote sind die Nachfragen von Menschen in finanziellen Notsituationen in unserer Beratungsstelle deutlich gestiegen. Es geht dabei um: Alte Menschen mit kleinen Renten Kranke Menschen mit geringem Einkommen Allein Erziehende Ebenso können wir feststellen, dass die Zahl der jungen Menschen mit Suchtproblemen, die sich an die Bahnhofsmission wenden - auch ein Arbeitsbereich der KASA - gestiegen ist. Die Bahnhofsmission als zentraler Ort in der Innenstadt ist in besonderer Weise mit Problemlagen konfrontiert, die (sehr schnell) gesellschaftliche Veränderungen anzeigen.

Was erwarten Sie sich vom Passionsweg?
Ich wünsche mir, dass möglichst viele Menschen aus den Kirchengemeinden sich auf den Weg machen, sich einlassen auf Begegnungen mit Menschen, denen es nicht so gut geht, die man im Gottesdienst nicht trifft. Mit dem Passionsweg bieten wir die Möglichkeiten der gegenseitigen Wahrnehmung und Sensibilisierung in sozialen Einrichtungen an.

Die Fragen stellte Klaus Weber