Die erste gemeinsame Dekanatssynode der evangelischen Dekanatsbezirke Passau und Regensburg fand in Plattling statt. Im Bürgersaal sprachen sich die 105 Synodal:innen mit nur fünf Enthaltungen und ohne Gegenstimmen für eine Zusammenlegung der beiden Dekanatsbezirke aus. Damit beauftragten sie ihre Dekanatsausschüsse, die Fusion auf den Weg zu bringen. Die Tagung wurde von Daniela Westner vom Evangelischen Bildungswerk Regensburg und Pfarrer Dr. Philipp Augustin aus Passau moderiert.
Cordula Unsicker und Dr. Matthias Haun betonten bei ihrer gemeinsamen Begrüßung, dass es sich um „mehr als nur ein organisatorisches Treffen“ handele. Beide sind Mitglieder der Präsidien der jeweiligen Dekanatssynode. Diese gemeinsame Dekanatssynode sei ein Zeichen, dass wir als evangelische Kirche gemeinsam unterwegs sind. Sie appellierten an die Vertreter:innen aus den zusammen 40 Kirchengemeinden: „Nur wenn wir ehrlich und respektvoll miteinander sprechen, können wir herausfinden, wie tragfähig ein neues Dekanat sein könnte.“
In der anschließenden Vorstellungsrunde des Dekan:innen-Trios hob Karolin Gerleigner, Dekanin der Regensburger Region Ost, ihre Verbundenheit mit der Region Niederbayern hervor. Der Passauer Dekan Jochen Wilde, der im nächsten Jahr in den Ruhestand geht, möchte sein Dekanat in „gute Hände übergeben“ und Jörg Breu, Dekan der Regensburger Regionen Stadt und West, sprach sich gegen eine zu starke Zentralisierung aus. „Die Zusammenlegung der Dekanate Passau und Regensburg ist genug, größer darf ein Dekanatsbezirk nicht werden.“ Das neue Dekanat Passau-Regensburg würde von Burglengenfeld und Kelheim bis Passau und von Grafenau bis Gangkofen reichen.
In ihrem geistigen Impuls gab Dekanin Gerleigner zu bedenken, die Vielfalt als Bereicherung zu sehen. „Verschiedene Blickwinkel können neue Möglichkeiten eröffnen. Unterschiedliche Erfahrungen können helfen, einen Weg zu entdecken, den niemand allein gefunden hätte.“ Sie ermutigte die Synodal:innen aufeinander zuzugehen, miteinander ins Gespräch zu kommen und neue Wege nicht zu scheuen.
Die Agenda der Tagung war eng getaktet. Im Wechsel stellten Wilde, Breu und Gerleigner die verschiedenen Aspekte einer Fusionierung und den Weg dorthin vor. Die Vorgaben der Landeskirche machten eine Fusion für das Dekanat Passau unumgänglich. Dekan Wilde, der im nächsten Jahr in den Ruhestand gehen wird, wies besonders auf die schrumpfenden Mitgliederzahlen hin. Die vorgegebene Mindestgröße von 35.000 Gemeindegliedern wurde vom Dekanat Passau bereits seit Längerem unterschritten. Der große Vorteil einer Fusion mit Regensburg sei, dass Passau seinen Dekanatssitz behalten könne. Seine jetzige Stelle werde es nach den Vorgaben der Landeskirche so nicht mehr geben.
Die Zusammenarbeit findet bereits in vielen Bereichen statt. Dekan Breu zählte auf: Klinikseelsorge, Verwaltung, Evangelische Bildung in Ostbayern, Evangelische Studierendengemeinden und die Evangelische Jugend. „Diese Kooperationen funktionieren sehr gut. Passau ist für uns ein Wunschpartner.“
Dekanin Gerleigner erinnerte an die „Plattlinger Erklärung“ der beiden Dekanatsausschüsse vom März dieses Jahres. In dieser wurde festgehalten, dass der Weg in die Zukunft nur ein gemeinsamer sein könne. Sie plädierte dafür, die durch die Fusion entstehenden zwei Dekanestellen in Vollzeit nicht auszuschreiben. Diese könnten schnell und unkompliziert mit dem vorhandenen Personal besetzt werden. Schon jetzt sei das Regensburger Team Gerleigner/Breu eingespielt. Gesamtgesehen sei dies ein nicht zu unterschätzender Vorteil in puncto Stabilität, fanden auch ihre Amtskollegen. Die evangelische Kirche befindet sich in einem vielfältigen Umbruch.
Das vorgestellte Konzept sieht zudem die Installation eines elfköpfigen Leitungsteams sowie die Gliederung des neuen Gesamtdekanats Passau-Regensburg in zwei etwa gleich große Regionen vor. Die Zukunft solle gemeinsam, im offenen Austausch und mit großer Wertschätzung gestaltet werden. Vorgesehen ist auch ein Überstimmungsschutz für den „kleineren“ Teil. Teamwork solle auf der Leitungseben vorgelebt werden, um es in den zukünftigen Regionalgemeinden zu etablieren. Das Ziel ist die Realisierung der Fusion der beiden Dekanatsbezirke bis 2028.
In neun Arbeitsgruppen setzten sich die Mitglieder der beiden regionalen Kirchenparlamente mit den Risiken und Herausforderungen auseinander. Im Vordergrund der Diskussionen standen dabei der Wunsch nach Inhalten statt Strukturen, eine Stärkung der Basis, klare Zuständigkeiten und die Schaffung von Identifikation auf einer so großen Fläche. Chancen werden in einem Zugewinn durch Vielfalt, besseren Vertretungsmöglichkeiten, besserem Religionsunterricht sowie einem größeren und intensiveren Ideenaustausch gesehen. Bisher an den Rand gerückte Regionen würden dann gestärkt.
Johannes Keller, stellvertretender Dekan in Passau fasste in der Diskussion den Tag so zusammen: „Strukturveränderungen schaffen Platz zum Wachsen.“ Das ist jedenfalls seine Hoffnung.
Mit dem Reisesegen von Dekanin Gerleigner und dem überwiegend guten Gefühl, einen Schritt weitergekommen zu sein, fuhren die Synodalen wieder zurück in ihre Gemeinden.
Hubert Mauch, Dekanatsbezirk Passau
