Reformation als Auftrag zur Erneuerung

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Dekanat Regensburg

Regensburg. Reformation ist kein abgeschlossener Vorgang der Kirchengeschichte, sondern ein bleibender Auftrag zur Erneuerung der Kirche. Diese Botschaft zog sich durch den zentralen Reformationsabend des Donaudekanats in der Dreieinigkeitskirche in Regensburg. Musikalisch gestaltet wurde die Veranstaltung vom Bezirksposaunenchor unter der Leitung von Klaus Ixmeier sowie von Kirchenmusikdirektor Roman Emilius.

Luther als Wegweiser, nicht als Mittelpunkt

In seiner Andacht erinnerte Dekan Jörg Breu daran, dass Martin Luther selbst nicht wollte, dass seine Anhänger als „Lutheraner“ bezeichnet werden. Im Mittelpunkt solle nicht eine Person stehen, sondern Jesus Christus und die christliche Botschaft.

Dabei griff er das Motiv der diesjährigen Einladung und der Plakate auf: einen Luther mit Sonnenbrille, als Graffiti auf eine Containerwand gesprüht. Das Foto stammt aus Petrodolinske in der Ukraine. Breu verwies darauf, dass sich die dortige Gemeinde in den vergangenen Jahren immer wieder neu erfunden habe und heute vor allem durch diakonische Arbeit und humanitäre Hilfe geprägt sei.

„Reformation ist kein nostalgisches Projekt. Neue Wege wollen und müssen wir gehen“, sagte Breu.

Kirche muss sich immer wieder reformieren

An die Andacht schloss sich der Festvortrag der Hamburger Praktischen Theologin Dr. Uta Pohl-Patalong an. Unter dem Titel „Reformation braucht Reform – auf dem Weg zu einer attraktiven und lebensrelevanten Kirche“ warb sie dafür, kirchliche Strukturen konsequent vom Auftrag der Kirche her zu denken.

Die Kirche sei kein Selbstzweck, sondern solle Menschen helfen, mit dem Evangelium und der Botschaft von Gottes Liebe in Berührung zu kommen. Deshalb müssten Strukturen, Gebäude und Arbeitsformen immer wieder hinterfragt und verändert werden. „Die Kirche muss dem Evangelium dienen und nicht umgekehrt“, betonte Pohl-Patalong. 

Zwischen Ressourcen- und Relevanzkrise

Die Referentin beschrieb die gegenwärtige Situation der Kirche als Zusammentreffen einer Finanz- und einer Relevanzkrise. Viele Menschen verließen die Kirche nicht aus Protest, sondern weil sie deren Bedeutung für ihr eigenes Leben nicht mehr erkennen könnten. Deshalb reiche es nicht aus, bestehende Strukturen lediglich zu verkleinern oder zusammenzulegen. Gefragt sei vielmehr ein mutiges Neudenken kirchlicher Arbeit.

Vielfalt als Zukunftsmodell

Für die Zukunft entwarf Pohl-Patalong das Bild einer vielfältigen Kirche mit unterschiedlichen Profilen und Zugängen: Kirchen der Stille, Jugendkirchen, diakonische Zentren, digitale Angebote und multiprofessionelle Teams. Menschen sollten die Möglichkeit haben, den kirchlichen Ort zu finden, der zu ihrer Lebenssituation passe. Entscheidend sei dabei stets die Frage, wie Menschen heute die befreiende Botschaft des Evangeliums als relevant für ihr Leben erfahren können.

Reformation bleibt Zukunftsaufgabe

Mit Blick auf den Reformationstag verbanden damit sowohl Andacht als auch Festvortrag eine gemeinsame Botschaft: Reformation bedeutet nicht die Bewahrung vergangener Formen, sondern die Bereitschaft, Kirche immer wieder neu an ihrem Auftrag auszurichten. Dafür brauche es den Mut, Gewohntes zu hinterfragen und neue Wege zu wagen.

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